Konzept

Blinde Menschen können bunte Werbeflächen und Graffiti nicht nur nicht sehen, sondern wissen häufig noch nicht mal, dass es so etwas überhaupt gibt. Und auch unserem Augenmerk entgehen viele Phänomene der urbanen Lebenswirklichkeit.

Graffiti meint nicht nur besonders gelungene, bekannte Werke wie die des britischen Künstlers Banksy. Auch die vermeintlich belanglose Schmiererei an der Toilettenwand, das eilig gesprühte ‚Tag‘ an der Hausecke und das halbfertige ‚Throw-Up‘ an der Bahnbrücke gibt es nun mal. Und eigentlich sollte man doch nichts niemandem vorenthalten.

Solche Graffitis werden daher  in die Braille-Schrift, die sogenannte Blindenschrift übersetzt – in Originalgröße!

Sehbehinderte Menschen können sie nun lesen. Transformiert zum zeitgemäßen Ornament, drängen sich solche ‚Braille-Styles‘ aber nicht auf, sondern schaffen Neugier. Und das nicht nur bei Blinden…

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Mal nimmt man für die Braille-Schrift große Halbkugeln aus Styropor her, die mit Baukleber an den Wänden befestigt werden. Ein andermal macht man das eher mit Betonnoppen, die man an die Wände schraubt – der Akku-Schlagbohrer macht nachts einen Höllenlärm.
(Alexis Dworsky, Konzeptkünstler)

 

Aber Graffiti das ist nicht nur (oft) unlesbare Schrift. Das sind ebenso Formen, Farben, Stimmungen: ein synästhetisches Feuerwerk! Mal klingt es nach Posaunen und duftet nach Himbeeren, mal pfeift es wie Tinitus und stinkt nach Kake.

Solche Aspekte des Empfindens lassen sich nicht so wie Buchstaben übersetzen. Hier kommt die Musik ins Spiel…

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„Das auf so einer zugetaggten Mülltonne ist ja keine klar lesbare Schrift: Da überlagern sich etliche Farbschichten und platzen wieder ab, da kleben Sticker drauf, die sich wieder lösen. Ich übersetze das in Sound… und aus der Tonne dröhnt eine wilde Tonmalerei.“
(Sepalot, Klangkünstler)